Forum Wupperbogen

Pina Bauschs Stücke leben sehr stark von den individuellen Prägungen durch ihre Tänzer*innen. Die Choreografin entwickelte Arbeitsformen, die auf einer intensiven Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit und den (tänzerischen) Möglichkeiten der einzelnen Ensemblemitglieder beruhen. Ihr Entschluss, „Kontakthof“ lange nach der Uraufführung sowohl mit Darsteller*innen fortgeschrittenen Alters als auch mit sehr jungen Personen noch einmal neu einzustudieren, erweiterte diese Ansätze in die Arbeit mit nichtprofessionellen Darsteller*innen. Damit wurde Pina Bausch zu einer Vorreiterin dessen, was heute unter partizipativen Arbeitsformen verstanden wird.

In den vergangenen 20 Jahren wurden solche Techniken zunächst in der freien Szene und später auch an städtischen Theatern weiterentwickelt. Doch städtische Bühnen als Institutionen bildeten sich strukturell nur geringfügig fort. An diesem Punkt setzt das „Forum Wupperbogen“ an: Es wird Zukunftslabor für die Entwicklung von Kulturinstitutionen sein, in denen die Themen und ästhetischen Formen partizipativer Projekte konsequent verfolgt und auf die gesamte Institution angewendet werden. Dabei wird das „Forum Wupperbogen“ mit den anderen Handlungsfeldern des Pina Bausch Zentrums enge Kooperationen eingehen. Die Entwicklung des Programms unterliegt bislang nur wenigen Grundsätzen und wird sich aus den ersten Veranstaltungen weiter ergeben.

Jeweils für eine Spielzeit wird sich das „Forum Wupperbogen“ dezentral in einzelnen Stadtteilen niederlassen, um mit den Menschen vor Ort zu arbeiten, in Kooperation mit bereits bestehenden Einrichtungen, Initiativen und Vereinen. Indem Menschen durch gemeinsame (künstlerische) Aktivitäten in den Stadtteilen an das „Forum Wupperbogen“ gebunden werden, werden für die Zeit nach der Eröffnung des Pina Bausch Zentrums sowohl dezentrale Handlungsfelder als auch potenzielle Akteur*innen erschlossen. Ein besonderer Fokus wird dabei darauf liegen, Milieus anzusprechen, die in den städtischen Kulturinstitutionen bislang unterrepräsentiert sind, und deren Themen in den künstlerischen Arbeiten vor Ort in den Mittelpunkt zu stellen.

Im Zentrum des Aushandlungsprozesses über die Einrichtung und Ausgestaltung des „Forum Wupperbogen“ stehen die Gestaltung der Institution und ihr Verhältnis zu den bereits bestehenden kulturellen Einrichtungen in der Stadt. Mit verschiedenen Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft ebenso wie mit eingeladenen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen sollen die konventionellen Handlungs- und Funktionsebenen von (kulturellen) Institutionen untersucht und alternative Modelle für das „Forum Wupperbogen“ entworfen werden. Gleichzeitig soll durch die Kooperation mit unterschiedlichen Gruppen in der Stadt herausgefunden werden, welche Erwartungen an das Pina Bausch Zentrum bestehen, aber auch wo Gleichgültigkeit gegenüber dem Vorhaben herrscht und welche Bedürfnisse an eine neue kulturelle Institution gerichtet werden können.

Basierend auf diesen Arbeitsergebnissen soll ein Modell für das „Forum Wupperbogen“ entworfen werden. Dazu soll die Perspektive thematisch geweitet werden, indem künstlerische Arbeiten und theoretische Positionen nach Wuppertal eingeladen werden, die die Themen der vorherigen Veranstaltungen mit ästhetischen und weiterführenden Positionen besetzen oder andere Betrachtungsweisen vorschlagen. Das auf diese Weise erarbeitete erste Funktionsmodell des „Forum Wupperbogen“ soll mit einem abschließenden Fest gefeiert werden und wird die Grundlage für das weitere Programm sein.