Forum Wupperbogen

Der Begriff der Partizipation ist inzwischen zu einer relevanten Größe in allen Debatten über das Zusammenleben in modernen Gesellschaften geworden. Unter dem Dach des Pina Bausch Zentrums soll Partizipation aber mehr werden als die Teilhabe an vorgegebenen Projekten oder Prozessen, sondern aus künstlerischer Perspektive befragt, erprobt und angewandt werden. Die experimentelle Herausforderung und Infragestellung war schon immer eine wichtige Aufgabe der Kunst, und die Kunst Pina Bauschs, die aus dieser Perspektive als Vorreiterin einer solchen künstlerischen Befragung von gesellschaftlichen Verhältnissen gelten kann, dient den Aktivitäten des Pina Bausch Zentrums als Quelle der Inspiration.

So wie weltweit zehntausende Menschen über das Internet einen kollektiven Schatz freien Wissens zusammentragen können, so kann die Stadtgesellschaft im „Forum Wupperbogen“ ihre Beteiligung selbst organisieren. Hier werden Bürger(innen), die im klassischen Theater nur Zuschauer(innen) sind, von Konsument(inn)en eines Beteiligungsprozesses zu Akteur(inn)en, die auf eigene Initiative Bedürfnisse definieren, Ziele entwickeln und Ergebnisse erarbeiten. Das „Forum Wupperbogen“ dient dabei als moderierter Verhandlungsort, an dem neue Formen von Wissensvermittlung, gesellschaftlicher Debatte, experimenteller sozialer Praxis und künstlerischer Infragestellung von Lebenswirklichkeiten stattfinden können.

Das Pina Bausch Zentrum wird so den Begriff der gesellschaftlichen Teilhabe neu aufladen, ihn in die Gesellschaftskultur der Stadt integrieren und damit einzigartig in der Bundesrepublik sein – mit Modellcharakter für andere Projekte in Deutschland und andernorts.

Diese Form der Partizipation muss der gesellschaftlichen Entwicklung immer einen Schritt voraus sein. Sie findet ihr Thema im Stadt- und Lebensraum, speist sich aber auch aus aktuellen und zu erwartenden künstlerischen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Damit kann nicht früh genug begonnen werden: Das Forum wird baldmöglichst seine Arbeit aufnehmen und die Entstehung des Pina Bausch Zentrums am Wupperbogen begleiten.

Das „Forum Wupperbogen“ wird zunächst mit drei Schwerpunkten aktiviert:

1. Künstler(innen) laden ein

Künstler(innen) und Gruppen unterschiedlicher Zusammensetzung entwickeln mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern Spiele und Anleitungen zum Kennenlernen und Erobern der Stadt. Künstler(innen) aktivieren auf ungewohnte Weise Orte im Stadtraum und schaffen so Zugänge zu den neuen „Spielplätzen“ der Stadt, rücken Ecken und Plätze ins Bewusstsein, die jeden Tag unbemerkt überquert werden.

Umgekehrt lädt das „Forum Wupperbogen“ auch in das Pina Bausch Zentrum ein und öffnet es für einen Dialog der Kunst mit der Gesellschaft. Die Begegnung mit ungewöhnlichen künstlerischen Setzungen, Räumen und Situationen führt ebenso zu Austausch und Verständigung wie zu produktiven Missverständnissen.

2. Das Plenum

Als Plenum können die unterschiedlichsten Räume im Pina Bausch Zentrum dienen. Es dient der Diskussion, dem Austausch oder einfach als öffentlicher Ort, an dem Aktivitäten vorgestellt werden können und eigenen Anliegen Ausdruck verliehen werden kann. Im Plenum werden Entwicklungen thematisiert, die in der Gesellschaft virulent sind. Es bietet einen Ort für Diskurs- und Präsentationsveranstaltungen aller Art, vom Vortrag über Science Slams bis zur TED-Konferenz. Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Privilegien knüpfen hier ein Netz aus sozialer Kompetenz und gegenseitigem Vertrauen.

3. Portal Wissen

Foundation und Tanztheater geben ihr Wissen heute schon praktisch weiter, etwa in Ausstellungen, Workshops, bei der Transmission von Stücken an Dritte oder bei innovativen Diskussionsformaten, bei denen gleichzeitig Wissen weitergegeben und für die Nachwelt gesammelt wird. Solche Formate werden im „Forum Wupperbogen“ weiterleben und weiterentwickelt.

In Kooperation mit Schulen, Universitäten, Kunstakademien, der Junior Uni, aber auch mit anderen kompetenten Partnern, beispielsweise dem Wuppertal Institut, dem Duisburger Centre for Global Cooperation Research und international agierenden Institutionen verschiedenster Wissensbereiche, veranstaltet das Portal neuartig konzipierte Formate jenseits von klassischen Kongressen, Ausstellungen oder Vorträgen. Schwerpunkte sind die Diskussion und Präsentation von Praxisbeispielen, etwa zum Thema Partizipation mit Laien, Künstler(inne)n, Wissenschaftler(inne)n und Expert(inn)en unterschiedlicher Provenienz.

Damit wird das „Forum Wupperbogen“ zu weit mehr als einer Stätte der Begegnung für die Bürger(innen) der Stadt. Es wird zu einer tragenden Säule des Pina Bausch Zentrums, zum Ausweis einer im Wortsinne demokratisch verfassten Stadtgesellschaft. Das macht die Stadt spannender und lebenswerter für ihre Bewohner(innen) und zu einem attraktiven Anziehungspunkt in einer globalisierten Welt.